02.07.2008

Ziel: EM-Titel
Ist das Team von Köbi Kuhn bereit, den Erwartungen im eigenen Land gerecht zu werden? Der Coach spricht vom Titel.
Alex Frei ist der bekannteste und erfolgreichste Schweizer Spieler im Ausland, von den Lesern der Zeitschrift «Sport-Bild» am Ende der letzten Saison gar zum besten Akteur in der Bundesliga gewählt. Ein gesunder Alex Frei in Topform ist für die Nati ebenso wichtig wie ein Philippe Senderos mit Spielpraxis. Der 22-jährige Romand hat bei Arsenal allerdings merklich an Schwung verloren. Ende der Saison sprach man nach einer Reihe von Fehlern gar von psychischen Problemen.
Tranquillo Barnetta ist auf dem Sprung zu einem Top-Verein, im internationalen Spitzenfussball aber bisher eher eine Randnotiz. Und Hakan Yakin hat in seinen Auslandaufenthalten wenig Eindruck hinterlassen. Das gilt (bisher) ebenso für junge Spieler wie Johan Djourou oder Johan Vonlanthen.
Die Schweiz offensiv
Seit Jahren ist der Angriff das Sorgenkind der Schweizer Nationalmannschaft. Wie wichtig ein gesunder Alex Frei für das Team ist, dokumentieren seine 32 Tore im Nati-Dress in nur 56 Spielen. Wegen der Verletzung von Blaise Nkufo ist Marco Streller gefestigte Nummer 2 in der Angriffs-Hierarchie. Hinter Frei und Streller fehlen die wirklichen Alternativen. Eine weitere Verletzung würde zu einem grossen Problem.
Spannender als die Personalfrage ist daher die Diskussion um das offensive System der Schweiz. Ein Stürmer mit zwei offensiv ausgerichteten Flügelspielern? Ein klassischer Spielmacher hinter einem Zweimann-Sturm? Gegen die zweite Variante spricht, dass sich auf der Position der klassischen Nummer zehn bisher keiner entscheidend aufdrängen konnten.
Die Schweiz defensiv
In der Innenverteidigung besitzt die Schweiz ein Reservoir an valablen Spielern. Gesetzt sein dürfte Arsenal-Legionär Philippe Senderos, bei dem sich einzig die Frage nach der Spielpraxis stellt. Wunschpartner ist Lyons Patrick Müller, der nach einer Knieverletzung noch weniger Spielpraxis hat.
Auf den Aussenbahnen ist links Ludovic Magnin gesetzt, rechts gibt es in Stephan Lichtsteiner, Valon Behrami und Philipp Degen ein paar Möglichkeiten. Zum Torhüter wurde Diego Benaglio ernannt.
Der Trainer
Köbi Kuhn wird unterschätzt. Der 64-jährige Zürcher hat die Schweiz an die EURO 2004 in Portugal und an die WM 2006 in Deutschland geführt und fast die Hälfte all seiner Partien mit der Schweiz gewonnen. Eine Bilanz, die vor ihm kein anderer Nati-Trainer in einem vergleichbaren Zeitraum aufweisen kann.
Dass Kuhn in der Schweiz zwar gemocht, aber nicht immer respektiert wird, liegt in seinem Auftreten. Kuhn ist kein Medienstar, besticht weder durch seine Motivationskünste noch durch seine taktischen Analysen. Aber Kuhn hat die Fähigkeit, aus Spielern mit individueller Klasse ein Team formen zu können. Und damit bringt er die für einen Nationaltrainer wichtigste Voraussetzung mit.
Land und Leute
Ursprung des Begriffs «Schweiz» ist der Kanton Schwyz und dessen Hauptort. Der Name wurde ins Mittelhochdeutsche übertragen.
Für Ausländer unverständlich, für uns selbstverständlich: Die Schweiz hat kein eigentliches Staatsoberhaupt. Sieben Bundesräte bilden die Landesregierung. Bundespräsident wird während der EURO 2008 der Freisinnige Pascal Couchepin sein. Die vier grössten Schweizer Städte sind auch die EURO-Spielorte: Bundesstadt Bern, Basel, Genf und Zürich. Nicht zum Handkuss kommen weitere wichtige Städte: Biel, Lausanne, Lugano, Luzern, St. Gallen oder Winterthur.
Wichtigstes Zugpferd des Tourismus ist die Schweizer Alpenwelt. Das Jungfrau-Massiv, der Aletschgletscher und das Matterhorn sind weltbekannt - genau wie die Wintersportorte Gstaad, St. Moritz oder Zermatt.
Top-Sportarten der Schweiz sind Fussball und Eishockey. Allerdings hat die Schweiz auch ihre ureigensten Disziplinen wie Hornussen oder Schwingen. Und einige Eidgenossen würden in dieser Liste auch den «Nationalsport» erwähnen: das Jassen.
Schweiz in Kürze
FIFA-Beitritt: 1904.
FIFA-Ranking im November 2007: 44.
EM-Teilnahmen (2): 1996 (Vorrunde), 2004 (Vorrunde).
Qualifikation: Gastgeber.
Nationalcoach: Köbi Kuhn.












