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Im Sommer 1989 begann der Eiserne Vorhang in Europa zu bröckeln, erosionsartig brach der starre Ostblock auseinander, bis im Herbst die Berliner Mauer fiel, der Inbegriff des Kalten Kriegs. Die Lawine historischer Ereignisse bewirkte damals einen tiefgreifenden Wandel im politischen und gesellschaftlichen Gefüge der ganzen Welt, in Osteuropa entfachte sie vor allem grosse Hoffnungen. Wie die Menschen mit den neuen Freiheiten umgingen und was aus den grossen Erwartungen geworden ist, das lotet «kulturplatz extra» aus, bei damaligen Eliteschülern in Prag, einem Schriftsteller in Bratislava, bei Kunstmalern in Leipzig – und bei Schweizer Linken, denen der Zerfall des real existierenden Sozialismus das Weltbild umkrempelte und eine Wende im Kopf bescherte.
Die Buchempfehlungen der Redaktion «kulturplatz» zum Thema «20 Jahre Mauerfall finden Sie»hier
Als erfolgreichster Punk seiner Heimat wütete Aljoscha Rompe lustvoll gegen die Zwänge der DDR. Als er nach der Wende seine Band «Feeling B» verliess, starteten seine Bandkollegen mit anderem Sänger eine Weltkarriere als «Rammstein». Rompe hatte dank der Herkunft seiner Mutter einen Schweizer Pass, zog es aber vor, in seinem künstlerischen Biotop am Ostberliner Prenzlauer Berg zu bleiben.
Bericht: Barbara Seiler
«Feeling B – Mix mir einen Drink, Punk im Osten» von Ronald Galenza und Heinz Havemeister. Eine Neuerscheinung des vergriffenen Buches ist beim Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf für Dezember 2009 geplant
Externer Link www.schwarzkopf-schwarzkopf.de
Ein Lichtermeer begleitete die friedliche Revolution, die zum Ende der DDR führte. Wesentlichen Anteil daran hatte das DDR-Theater, wo das Endspiel des Sozialismus schon früh aufgeführt wurde. Und wo zentrale Ereignisse wie die Alexanderplatz-Demonstration vom 4. November 1989 beschlossen wurde. «kulturplatz» erinnert sich mit den Theaterköpfen Thomas Langhoff und Milan Peschel.
Bericht: Tobi Müller
Sie war die künftige Elite der CSSR, Hoffnungsträger des sozialistischen Fortschritts: die Maturaklasse des Prager Wilhelm-Pieck-Gymnasiums. Doch als die Wende dem alten kommunistischen System ein Ende setzte, war auf einmal alles anders: Wertesystem, Lebensentwurf, Karriereplan – alles Schnee von gestern. Dafür öffneten sich neue, völlig ungewohnte Perspektiven. Barbara Tóth hat die damaligen Eliteschüler in ihrem Buch porträtiert und zeigt auf, was aus der Generation geworden ist, die im Kommunismus erzogen wurde, sich aber im Kapitalismus behaupten musste.
Beitrag: Eduard Erne
«Reifeprüfung Prag 1989 – 25 Porträts», von Barbara Tóth, Czernin Verlag
Externer Link www.czernin-verlag.com
Barbara Tóth portraitiert in ihrem Buch «Reifeprüfung Prag 1989» den Maturajahrgang 89 eines Prager Elitegymnasiums. Im Interview mit «kulturplatz» spricht die Österreicherin mit tschechischen Wurzeln darüber, was passiert, wenn sich an der Schwelle zum Erwachsenwerden plötzlich alle gültigen Werte in Luft auflösen.
Externer Link www.czernin-verlag.com
Der 33jährige Michal Hvorecky ist der Shooting-Star der slowakischen Literaturszene. Sein grotesker Roman «Eskorta» erzählt die Geschichte des jungen Callboys Michal, der sich in Boomtown Bratislava prostituiert, um am Turbokapitalismus teilhaben zu können. Er ist reichen Frauen aus dem Westen bedingungslos zu Willen – bis er seine eigene Identität nicht mehr spürt. Eine satirische Parabel auf die neo-kapitalistische Gesellschaft Osteuropas.
Beitrag: Eduard Erne
«Eskorta»Roman von Michal Hvorecky, Verlag Klett-Cotta
Externer Link www.klett-cotta.de
Externer Link http://hvorecky.wordpress.com
Die Maler um Bernhard Heisig, Arno Rink und Neo Rauch verbindet nicht nur die gemeinsame Heimat Leipzig, sondern auch eine Tradition der gegenständlichen Malerei, die sich gut im Realismusdiktat der DDR einfügte. Mit ihrem Stil stiessen sie nach der Wende im westlichen, abstraktionsgesättigten Kunstmarkt auf ungeahntes Interesse. Das Label «Neue Leipziger Schule» entfesselte in den 90er Jahren einen regelrechten Kunsthype.
Beitrag: Sebastian Günther
Als der real existierende Sozialismus in Europa abdankte, erlebte die Schweizer Linke gerade ein Hoch, dank der verblüffend hohen Zustimmung zur Armeeabschaffungs-Initiative der «GSoA» und dank dem Aufdecken der «Fichen-Affäre», die den einheimischen Schnüffelstaat entlarvte. Doch die Sozialdemokratie verlor allmählich ihr Ziel, eine Alternative zum Kapitalismus, aus den Augen. «GSoA»-Gründer Andi Gross, die mit der DDR persönlich verbundene Baslerin Christine D’Souza und der heutige Juso Chef Cédric Wermuth erinnern sich.
Beitrag: Markus Wicker
Vor fast 20 Jahren fiel in Berlin die deutsche Mauer. Eine Annäherung von Ost und West war schwerer als gedacht. Doch nirgends haben sich Ost- und Westdeutschland so schnell vermischt wie in den Klubs nach 1989. Besonders in Berlin. Und kein popkulturelles Bild steht deutlicher für die Nachwendezeit als die Love Parade: Eine Million halbnackter Menschen zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule. «kulturplatz» entdeckt – rechtzeitig zur Zürcher Street Parade – die einheitsstiftende Wirkung hämmernder Beats.
Beitrag: Tobi Müller
Im Sommer 1989 begann der Eiserne Vorhang in Europa zu bröckeln, erosionsartig brach der starre Ostblock auseinander, bis im Herbst die Berliner Mauer fiel, der Inbegriff des kalten Krieges. Die Lawine historischer Ereignisse bewirkte damals einen tiefgreifenden Wandel im politischen und gesellschaftlichen Gefüge der ganzen Welt. «kulturplatz» fokussiert in loser Folge auf die Länder, die damals im Zentrum des Geschehens standen. Der erste Blick richtet sich auf Litauen. Nach Jahren des Aufschwungs steht der baltische Kleinstaat heute am Rand des Bankrotts. Die Hauptstadt Vilnius sollte dieses Jahr als «Kulturhauptstadt Europas» glänzen, doch die Wunden aus der sowjetischen Besatzungszeit sind noch nicht verheilt.
Beitrag: Artem Demenok
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